Waren Pflanzen früher nährstoffreicher?

Multivitaminpräparate gibt es längst nicht mehr nur in der Apotheke. Du findest sie in Drogerien, im Supermarkt – manchmal sogar neben den Müsliriegeln.
Die Botschaft ist oft klar: Unsere Böden seien ausgelaugt, Obst und Gemüse hätten kaum noch Nährstoffe – und selbst mit einer ausgewogenen Ernährung könne man seinen Vitamin- und Mineralstoffbedarf kaum decken.
Aber stimmt das wirklich?
Genau dieser Frage gehen wir heute nach.
Sind unsere Böden wirklich „nährstoffarm“?
Die Behauptung, dass Pflanzen heute deutlich weniger Vitamine und Mineralstoffe enthalten als früher, taucht regelmäßig auf – besonders im Zusammenhang mit:
- industrieller Landwirtschaft
- intensiver Bodenbewirtschaftung
- Hochleistungssorten
- langen Transportwegen
Tatsächlich ist die Studienlage komplex. Der Nährstoffgehalt von pflanzlichen Lebensmitteln hängt von vielen Faktoren ab:
- Sorte und Züchtung
- Bodenbeschaffenheit
- Düngung
- Klima
- Erntezeitpunkt
- Lagerung
Ein pauschales „Früher war alles besser“ greift hier zu kurz.
Gibt es belegte Nährstoffverluste?
Ja – für einzelne Nährstoffe gibt es Hinweise auf leichte Rückgänge über Jahrzehnte hinweg. Besonders diskutiert werden unter anderem:
- Magnesium
- Eisen
- Zink
- bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe
Allerdings bedeutet ein statistischer Rückgang nicht automatisch, dass wir heute zwangsläufig in einen Mangel rutschen.
Entscheidend ist die Gesamternährung.
Reicht eine ausgewogene Ernährung noch aus?
Für gesunde Menschen mit abwechslungsreicher Ernährung gilt grundsätzlich:
👉 Der Bedarf an Mikronährstoffen lässt sich in der Regel weiterhin über Lebensmittel decken.
Problematisch wird es eher bei:
- stark einseitiger Ernährung
- sehr hohem Verarbeitungsgrad der Lebensmittel
- bestimmten Lebensphasen (z. B. Schwangerschaft)
- speziellen Ernährungsformen
Nicht jede Person braucht automatisch ein Multivitaminpräparat – und „mehr“ ist bei Mikronährstoffen nicht immer besser.
Bauernmarkt oder Supermarkt – macht das einen Unterschied?
Regionalität, Frische und kurze Lagerzeiten können durchaus einen Einfluss auf den Nährstoffgehalt haben – besonders bei empfindlichen Vitaminen wie Vitamin C oder Folsäure.
Ein Besuch am Bauernmarkt kann daher sinnvoll sein – nicht, weil unsere Lebensmittel „wertlos“ geworden sind, sondern weil Frische und Vielfalt eine Rolle spielen.
Fazit: Mythos oder berechtigte Sorge?
Sind Pflanzen heute nährstoffärmer als früher? Teilweise gibt es Hinweise auf Veränderungen – aber die Schlussfolgerung, dass eine ausgewogene Ernährung nicht mehr ausreicht, ist wissenschaftlich so nicht haltbar.
Ob und für wen Supplemente sinnvoll sind, muss immer individuell betrachtet werden.
🎧 Welche Nährstoffe tatsächlich betroffen sind, wie du dich im Alltag absichern kannst, für welche Bevölkerungsgruppen das Thema relevanter ist – und was wirklich hinter der Boden-These steckt – erfährst du in Folge 056 der Bauchdetektivgeschichten:
„Waren Pflanzen früher nährstoffreicher?“
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